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Sonntag, 18. Dezember 2011

früher oder später

ich nehme einen großen schluck heißen kaffee aus der roten tasse mit den weißen elchen und ich frage mich, ob ich dir erzählen möchte, was mir tagsüber passiert und mich nachts wach hält. die kleinen dinge des lebens die auf mich einströmen und die ganz großen, die mich staunen lassen. das, was wirklich zählt. das, was anders war.

am anfang nehme ich diese gedanken noch nicht ernst, belächele sie, schlucke sie mit einem 2. schluck kaffee hinunter. nun liegen sie mir schwer im magen, so wie du damals.

morgens, wenn die sonne aufgeht und die katzen nicht mehr grau, sondern kleine tiger sind, denke ich hin und wieder, dass ich dich anrufen könnte. reden über dies und das. du, mit deiner hilflos naiven art die menschen zu sehen, wie sie auf keinen fall sind und du, der in den richtigen momenten immer nur die falschen worte fand und mir wird, gerade als sich der 3. schluck kaffee auf meiner zunge entfaltet bewusst, dass das alles bedeutungslos geworden ist.

zu sagen ist da nichts mehr. verspielt ist verspielt und lächelnd greife ich nach meinem brot mit erdbeermarmelade.

da ist kein platz mehr für dich zwischen all dem leben in mir, dem früher und dem später.

kein millimeter.

Dienstag, 6. Dezember 2011

liebeserklärung altmodisch


meine rechte seite schmerzt. "da und da" sage ich, tippe an meinem rippenspeck auf und ab. "das kommt vom husten", sagt die ärztin. "ja, alles was nicht raus will kann sehr schmerzlich sein. da habe ich mich wohl verdrehhustet." antworte ich und lasse den blick aus dem fenster über den quittenbaum gleiten. quittengelee. das wäre gut. das könnte man mal wieder machen. wäre man nicht krank. und furchtbar verdrehhustet.

sie sinniert noch über die einnahme der globulis und innerlich öffne ich bereits die tür. äußerlich nicke ich erwartungsgemäß verständig und überlege, wo ich jetzt quitten herbekommen kann.

mit der tür ins haus fallen. oder offene türen einrennen. kann ich beides gut. meine beulen erzählen ihre eigenen geschichten.

ich huste und spüre den schmerz.


wir haben einen alten küchentisch. ein erbstück. er ist dunkelbraun, fast wie ebenholz. die passenden stühle habe ich vom sperrmüll. ein glücksgriff. die polster mit federkern sind dunkelrot, robust. der lack des tisches ist an einigen stellen beschädigt, so dass ich hin und wieder alle schätze vom tisch entferne, den polyboy aus dem schrank unter der spüle hervorkrame und nahezu meditativ die tischplatte einöle.
ganz sorgfältig.
dann räume ich alle gesammelten muscheln, die grüne obstschale, die lampe [fürs seelenheil] und die gelbe kanne vom flohmarkt [für die blumen vom pflückfeld] an ihren angestammten platz zurück und setze teewasser auf [für mich]. bünting. mit braunem kandis und einem schuss milch. bio. fürs gewissen. ach, und für die gesundheit. ich huste.

sie bittet mich ihr zu folgen. überall hin. im kopf war und bin ich überall und nirgends.

irland. meine liebe. und du.

und dann, als das telefon klingelt, habe ich noch einen leichten kandisgeschmack auf den lippen und muss lächeln, als meine zunge ihn wahrnimmt.

ich denke an honigbrote und deinen geruch, der mein zuhause ist.


weil ich dich und unser leben so sehr liebe.



und den alten küchentisch.